Gemäss der Aussagen im Talmud hat selbst jeder Grashalm einen eigenen Engel, der über ihn wacht und der flüstert: „Wachse, wachse.“ So ist es auch mit uns. Und das ist die wunderschöne Lehre für uns in dieser Woche.

Wenn die Nächte länger und dunkler werden, dann werden wir (mehr als zu jeder anderen Zeit des Jahres) dazu genötigt, uns nach innen zu wenden, nachzudenken, zu meditieren und spirituell zu wachsen. Gerade wenn die Dinge am schwierigsten und dunkelsten sind, dann sind oft sie die Situationen, in denen wir uns wirklich verändern und zu anderen Menschen werden können.
         
Meditation und Gebet werden seit Jahrtausenden von unseren Weisen, den Patriarchen und Matriarchen, als Zugang zu einer höheren Energiequelle genutzt. Wie die Flamme einer Kerze, die wie ‚fliessend‘ nach oben strebt, so erlangen auch wir (wenn wir meditieren oder uns im Gebet engagieren) Zugang zu den oberen Welten, wo uns ein Reservoir spiritueller Energie zur Mithilfe erwartet. Unser Patriarch Jakob wusste das. In der dieswöchigen Parascha Vayishlach stand Jakob sich selbst in seiner eigenen Schlacht gegenüber. Sein Bruder Esau plante einen Krieg gegen ihn. Doch in der Nacht vor der Schlacht ging Jakob (anstelle aus sich heraus) ins sich, um so auf diese Weise seine Probleme lösen zu können. Er meditierte und sah sich die Rolle an, die er selbst in seinen eigenen Schwierigkeiten spielte. Er hatte keine Angst, seine eigene Negativität zu betrachten: Wo fehlte ihm die Liebe? Wo fehlte ihm die menschliche Würde? Wo fehlte ihm die Sorge für seine Mitmenschen? Was waren seine Ängste? Welcher Teil von ihm kannte den Schöpfer noch nicht? Sobald er diese Arbeit getan hatte, war Jakob verändert. Esau konnte keine Macht mehr über ihn ausüben, keinen Einfluss mehr haben, und keine Gefahr mehr für ihn sein. Denn Esau war und ist nur ein Spiegelbild der inneren Ängste, des Ego und der Beschränkungen, die auch wir alle besitzen.
 
Gary Zukav schreibt in seinem Buch „The Seat of the Soul“ (Der Sitz der Seele), dass es das Mitgefühl ist, das ein Wesen zu einem noch höher entwickelten Wesen macht. Wahres Wachstum geschieht nicht durch äussere, sondern durch innere Arbeit. Es geschieht dann, wenn wir lernen, dass es in unserem eigenen Interesse ist, mehr zu lieben und weniger zu hassen. Esau wollte seinen Bruder töten, doch er wusste nicht, wie er es tun sollte. Er fühlte trotzdem die Liebe zu Jakob. Die Veränderung geschah, als Esau das Licht spürte, das durch Jakob in die physische Welt strömte. Er umarmte ihn und er liebte ihn – er liebte ihn wirklich. Sein Hass war zur Liebe geworden. Das ist die Kraft der Liebe!

Manchmal sind wir nicht willig, an uns selbst zu arbeiten, doch das Universum wird dann sicherlich schon einen anderen Plan für uns haben! Wir werden uns dazu genötigt sehen, uns mit unseren Ängesten zu konfrontieren, ob wir das nun mögen oder nicht. Wie ich es immer sage: Wir können nicht erwarten, dass unsere Muskeln wachsen, wenn wir nicht in ein Fitness-Studio gehen und an ihnen arbeiten.

Befolgt also in der kommenden Woche diesen Weckruf. Nehmt Euch die Zeit, um ruhig und ohne Ablenkung auf Eure Gedanken zu hören. Hört auf den Schlag Eures Herzens. Atmet. Seht, welche Antworten Ihr hören könnt, wenn die Welt einmal nicht so laut ist. Zündet eine Kerze an und fokussiert Euch, während Ihr das tut, die Kerze (das Licht) in Euch selbst zu zünden. Seid Euch sicher, dass Ihr grossartige Wunder in Eurem Leben erwarten könnt. „Wachse ! Wachse !“. Ich weiss, dass wir das tun können. Ich weiss, dass wir mit der Kraft der Liebe jedes Licht unserer eigenen inneren Kerze zünden können – und wir alle gemeinsam können die Welt erleuchten.
    
Gott segne Euch …und all meine Liebe für Euch
Karen